Hausordnung

Öffentliche und private Museen sind verpflichtet, das Grundgesetz

zu achten und zu schützen. Das Antidiskriminierungsgesetz bzw. das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und die demokratischen Werte sind für alle bindend. Wir empfehlen, Verhaltensregeln auf Grundlage der Code of Conduct-Leitlinien in Form einer Hausordnung zu erstellen oder die bestehende ggf. zu aktualisieren oder zu erweitern und sie für alle sichtbar zu machen.

Warum ist eine Hausordnung wichtig?

Eine Hausordnung ist ein verbindliches, transparentes Regelwerk, das das gewünschte Verhalten von Besuchenden und Nutzer:innen des Museums festlegt, um Sicherheit, Schutz vor Schäden und einen ungestörten Museumsbesuch für alle zu gewährleisten.

Auf die Hausordnung kann sich jedes Museum bei Überschreitungen beziehen und strafbare Handlungen untersagen. Neben Regeln für den Museumsbesuch kommuniziert sie das Vorgehen des Museums bei Verstößen, wie Sachbeschädigungen, Diskriminierungen, Beleidigungen, das Tragen von Waffen, das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen (vgl. §86 und 86a Strafgesetzbuch und Verfassungsschutz-Handreichung). Das reicht von der Forderung, genannte Zeichen abzudecken, bis zu Hausverweisen oder das Herbeirufen des Staatsschutzes – alle möglichen Reaktionen des Museums sollten in der Hausordnung kommuniziert werden.

Inhalte

  • Einleitung (zum Zweck der Hausordnung)
  • Geltungsbereich
  • Verhaltensregeln für Besucher*innen
  • Garderobe und Gepäck
  • Fundgegenstände
  • Sicherheitsbestimmungen
  • Maßnahmen bei Verstößen (Hausverweis, Hausverbot)
  • Hausrecht (Befugnisse der Museumsleitung und des Personals zur Durchsetzung der Hausordnung, Maßnahmen bei Verstößen)

Beispiele

Checkliste

  • Freundliche Begrüßung
  • Das Museum als Ort der Erkenntnis, Kontemplation und Kommunikation
  • Benennung des Aufsichtspersonals und seiner Funktionen
  • Konkret: Was ist willkommen (z.B. Rücksichtnahme und Wohlwollen anderen Personen und den Exponaten gegenüber, Fragen, Diskussionen), was ist nicht gestattet (z.B. demokratiefeindliche, rassistische, beleidigende Äußerungen)
  • Eventuell Liste mit bekannten bzw. unbekannteren demokratiefeindlichen Codes
  • Sicherheitsregeln zum Schutz der Exponate, Medien und des Mobiliars (Mitführen von Rucksäcken, Waffen, Tieren (Begleithund erlaubt?), Essen, Getränken und Hinweis zum Rauchen)
  • Folgen bei Vandalismus, Diebstahl etc. Vielleicht gesondert als kleiner Krimi.
  • Was passiert bei Überschreitungen? Hausverweis, juristische Konsequenzen, Staatsschutz
  • Dank für den Besuch, eventuell mit einem Hinweis auf die Möglichkeit, Lob/Kritik ins Gästebuch zu schreiben
  • Ansprechende Gestaltung und Format (an Barrierefreiheit denken)
  • Hausordnung an gut sichtbaren und eventuell auch ungewöhnlichen Orten im Museum platzieren

Sichtbarkeit und Gestaltung

Website

Digitale Informationen auf der Museumswebsite, ggf. als PDF zum Download.

Elektronische Displays

im Foyer oder an frequentierten Stellen. Wechselnd Hinweise und Regelungen anzeigen, evtl. ergänzt mit Animationen oder Videos.

Print

z.B. Flyer, Broschüre, Einladungskarte, Schilder, Plakate, Infotafeln, Kartenspiel im CI des Hauses.

Empfehlung: Verwendung von Piktogrammen und Symbolen, denn sie sind klar und leicht verständlich

Graphic Novel / Comic

Evtl. gibt es einen Markencharakter/ein Maskottchen, der/das hier zu Wort kommt.

Kurzfilm

Kurzer Film mit realen Personen, vielleicht Mitarbeitende des Museums und/oder Direktor*in.

Möglich: Animationsfilm, Stop-Motion-Film, Verbreitung z.B. auf Website, Newsletter, Social Media, Monitor etc.

Audio

Audiofilm/Audiocontent vielleicht als Krimi, Romanze, o.Ä. – je nach Zielgruppe, Apps und Audioguides, die Besucher*innen durch Ausstellungen führen und dabei Hausordnungsregeln vermitteln können.

Wo platzieren?

  • Vor dem Museum z.B. als Spiel auf Puzzlesteinen.
  • Im und am Museum (Foyer, Garderobentüren, Toilettenräume, Café, Restaurant etc., als Quizfrage).
  • Im Shop als Booklet / lustiges Give-away.
  • Website z.B. im Abschnitt „Besuch planen“, Öffnungszeiten oder am Fuß der Website bei Kontakt.
  • Im Rahmen des Social-Media-Auftritts.
  • Handreichung für Gespräche mit dem Personal, auch für Führungspersonal und Direktion.
  • Als Teil des Onboarding-Plans für neue Mitarbeiter:innen.
  • Qualifizierte Einbindung von externem Museumspersonal (Sicherheitsdienste, Objektschutzfirmen, Guides).
  • Aushang Mitarbeiter*innen-Küche.

Was ist noch wichtig?

  • Die Hausordnung soll freundlich und einladend klingen.
  • Ziel der Hausordnung ist, dass sich die Besuchenden und die im Museum arbeitenden Personen sicher fühlen.
  • Die Hausordnung sollte mit allen Mitarbeitenden besprochen und mit allen kommuniziert werden.
  • Intern auf Aufgaben und Power der Museen hinweisen, Verweis auf Rechte und Pflichten.
  • Vorauseilender Gehorsam oder Angst vor antidemokratischer Einflussnahme sind schlechte Ratgeber.
  • Vor Führungen die Hausordnung zusenden, am besten mit Einverständniserklärung.
  • Vor Veranstaltungen Genehmigungen für Transparente, Schilder u.a. von Gästen einholen.
  • Weitere Schritte bei Übergriffen intern klären: Meldung an Polizeidienstelle, Vorfall oder Versuch schriftlich notieren (auch als eigene Gedankenstütze), Vorfall dem Netzwerk Halt!ung (anonym) zur Dokumentation melden.
  • Kontakt zu Polizeidienststellen aufnehmen, ihnen eine Museumsführung anbieten und die Werte/Pflichten/Rechte des Museums kommunizieren.